Tobago - das vergessene Paradies
Volltanken für zehn Euro, das Bier für einen Euro, traumhafte Palmenstrände, türkisblaues Meer, ganzjährig Sonne bei 30° Celsius - und kaum Touristen.
Gibt es nicht?
Falsch.
Exakt einmal pro Woche jettet ein deutscher Flieger Urlauber nach Tobago, die winzige Regenwald-Insel vor Trinidad. Hier sind die Motive der karibischen Postkarten-Idylle tatsächlich zu Hause.
Der Suzuki-Jeep wühlt sich mit allen Vieren durch den Schlamm. Stunde um Stunde. Links traumhafte Lagunen, rechts Regenwald. Das Auto innen so braun wie außen - nicht nur wegen der Karibik-Sonne. Der Morast trocknet sofort auf der Haut, klebt überall: am Lenkrad, auf den Sitzen, auf beiden Seiten der Windschutzscheibe. Winter auf Tobago, 30 Grad Celsius, Lichtschutzfaktor 15 empfohlen. Europäisches Schmuddelwetter und Großstadthektik sind neun Stunden entfernt. Runterschalten. Schnellstraßen kennt Tobago genauso wenig wie eine Promille-Grenze.
"Hat alles Vor- und Nachteile", sagt Anthony. "Aber ihr schafft die Strecke schon, treffe euch am Pier." Der Fischer hat umgesattelt, vermietet jetzt kleine Holzboote für Barbeque-Ausflüge und zum Schnorcheln. Telefonisch erklärt er den Weg zur Traumbucht. "Paradise Bay" will er uns zeigen, den schönsten Strand der Insel. Zwischen Parlatuvier und Charlotteville im Nordwesten des Winzlings, 55 Kilometer vor der Küste Venezuelas, schlängelt sich die rote dünne Linie auf der Landkarte zwischen den beiden Küsten-Örtchen. Der Suziki röhrt, dröhnt, scheppert - ein Riesen-Spaß. Zwölf Kilometer in zweieinhalb Stunden. Hilfe darf man nicht erwarten. Nicht, dass die Bewohner Tobagos nicht wollten, nur: Hier im Norden kommt einfach niemand vorbei. Touristen schon gar nicht. Nur eine Ladung deutsche Urlauber spuckt der Thomas-Cook-Jet pro Woche auf dem Flughafen von Crown Point im Süden aus. "Viel zu wenig", sagt Anthony, "schlecht fürs Geschäft, aber gut für die Touristen." Weniger als sechs Prozent seines Bruttosozialprodukts erwirtschaftet der Doppelstaat als Reiseland. Trinidad lebt vom Erdöl; von der Zahnbürste bis zum "Carib"-Bier produziert der Industriegigant alles, was die Karibik braucht. Die Schwesterinsel Tobago - komplett fabrikfrei - wird als Urlaubsziel kaum beworben. "Lohnt leider nicht", schätzt Anthony. Rund 300.000 Besucher zählt das West-Indies-Juwel pro Jahr; zum Vergleich: Der Aachener Dom verbucht jährlich eine Million Gäste.
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